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Eine Bildungsreise durch Österreich mit Steve Kelly

Umgedrehter Unterricht, Flipped Classroom und Inverted Classroom: Hinter diesen Begriffen steckt ein didaktisches Konzept, das dem traditionellen Frontalunterricht an Schulen und Universitäten vermehrt den Rang abläuft. Wir haben dem Konzept schon mehrere Artikel gewidmet und werden in diesem Beitrag daher nicht weiter auf die Grundidee eingehen, sondern über eine relevante Veranstaltung berichten:

Konferenz ICM & Beyond 2016

Am 23. und 24. Februar 2016 fand an der FH St. Pölten die Tagung ICM & Beyond statt. Diese jährliche Veranstaltung ist das wohl größte Zusammentreffen all jener, die sich im deutschsprachigen Raum mit dem Flipped / Inverted Classroom befassen oder dafür interessieren. TechSmith war zum fünften Mal als Aussteller vor Ort und konnte sich durch Workshops und als Teilnehmer aktiv in die Konferenz einbringen. Eine schöne Zusammenfassung der Veranstaltung bietet der offizielle Bericht der FH St. Pölten. Weitere Eindrücke werden in diesem kurzen Video vermittelt: 

 

Was nun folgt ist die persönliche Zusammenfassung der Veranstaltung durch Anton Bollen:

(M)eine Bildungsreise durch Österreich mit Steve Kelly

Als ich in den frühen Morgenstunden in Wien aus dem Flugzeug stieg, wusste ich bereits, dass diese Konferenz etwas besonders werden sollte. Grund hierfür war Steve Kelly, ein amerikanischer Lehrer aus Michigan. Steve Kelly hatte in den letzten Jahren als Flipped Teacher viel Erfahrung sammeln können und konnte von TechSmith als Keynote Speaker für die Konferenz in Österreich gewonnen werden.

Und so stand ich in den frühen Stunden am Wiener Flughafen und wartete auf Steve, den ich bis dahin nur über Skype kurz kennengelernt hatte. Er begrüßte mich mit den Worten:

stevekelly2„Hi, I’m Steve. We are going to spend the next 6 days together.“

 

 

 

Auf der folgenden Zugfahrt nach St. Pölten lernte man sich dann etwas besser kennen und einer anspruchsvollen Woche sollte dann nicht mehr viel im Wege stehen.

Ein für mich besonderes wichtiges Merkmal der Tagung ist die Balance zwischen schulischer Lehre und dem Hochschulbereich. Zwar wird für jeden Konferenztag ein Schwerpunkt festgelegt, jedoch verwischen sich diese Grenzen spätestens beim allgemeinen Austausch der TeilnehmerInnen. Somit wird eine einzigartige Möglichkeit geboten, über den eigenen Tellerrand und über die eigene Community hinauszuschauen und neue Perspektiven, Ratschläge und Informationen zu sammeln. Eine Gelegenheit, die von allen TeilnehmerInnen auch stark genutzt wurde.

Deutsche Uni und amerikanische High School im Austausch

Professor Handke (l.) und Steve Kelly: Ein Austausch auf Augenhöhe zwischen deutscher Universität und amerikanischer High School.

In seinem Vortrag betonte Steve Kelly wiederholt, dass sich das Verhalten der LernerInnen in den letzten Jahren durch dein Einfluss von Technologie stark verändert hat (und sich auch weiterhin verändern wird) – die bestehenden didaktischen Konzepte jedoch bisher nur wenig auf diese Veränderungen eingehen. Ein wichtiger Aspekt des Flipped Classrooms ist daher die gewonnene Zeit, die im Unterricht zur Vertiefung, Erklärung und Hilfe bereit steht. Mit dieser gewonnen Zeit kann man auch auf die Lernbedürfnisse der einzelnen Schüler besser eingehen. Wie sagte es der US-Lehrer Aaron Sams doch so schön: „Through Flipped Classroom, I can talk to every single one of my student in every class on every single day.“ Ein Vorsatz, von dem man sich gerne inspirieren lassen kann.

Every moment is a Teachable moment.

Every moment is a Teachable moment.

Eine wichtige Erkenntnis meinerseits ist, dass sich der Flipped / Inverted Classroom vom Nischenthema zu einer anerkannten Unterrichtsform entwickelt hat: So ist mir aufgefallen, dass an Hochschulen inzwischen vermehrt die Ressourcen für eine erfolgreiche Umsetzung des Konzepts bereitgestellt werden. Auch die Auszeichnung mehrerer Projekte mit Bezug auf Flipped / Inverted Classroom im letzten Jahr deuten auf eine wachsende Akzeptanz und Relevanz der Bewegung hin (Ars Legendi Preis / MINT von morgen Schulpreis). Und nicht zuletzt werden inzwischen auch gezielte Fortbildungsmöglichkeiten zu Flipped Classroom angeboten.

In dieser Hinsicht spielt die permanente Weiterentwicklung, Verbesserung und Auswertung der didaktischen Methoden natürlich eine sehr wichtige Rolle, zu der viele verschiedene Gruppen und Personen seit Jahren aktiv beitragen. Danke dafür (Ihr wisst, wer ihr seid)!

Besuch an der PH Wien

Quelle: Petra Szucsich, PH Wien

Bildquelle: Petra Szucsich, ZLI der PH Wien

Nach der Konferenz ging es für Steve Kelly und mich weiter nach Wien, wo wir eine Unterrichtsstunde der Höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe besuchen durften. Margit Pollek, E-Learning-Expertin an der PH Wien, arbeitet dort mit dem Flipped Classroom Konzept und wir konnten uns vor Ort ein Bild von der Umsetzung machen. Besonders spannend wurde es, als die Schülerinnen und Schüler selber zu Wort kamen und auf ihre Weise erklärten, wie der Flipped Classroom ihren Unterricht verändert hat. Ein Kommentar stach dabei besonders heraus: „Seit (der Einführung des Flipped Classrooms) sind alle Schüler besser auf den Unterricht vorbereitet, was die Qualität des gesamten Unterrichts allgemein verbessert hat.“

Am Nachmittag ging es für uns an die Pädagogische Hochschule Wien, wo in erweiterter Gruppe eine vertiefende Diskussion zu den vielen Aspekten von Flipped Learning stattfand. Auch hier war der Erfahrungsaustausch auf internationaler Ebene im Mittelpunkt und alle Beteiligten konnten Impulse und Ideen sammeln; es ergab sich reichlich Stoff zum nachdenken und reflektieren.

Die Workshop-Teilnehmer/innen, von links: Margit Pollek (Institut für Berufsbildung PH Wien), Anton Bollen (Techsmith Europe), Winfried Schneider und Hedy Wagner (Institut für weiterführende Qualifikationen und Bildungsschwerpunkte PH Wien), Steve Kelly, Alicia Bankhofer (E-Learning-Schulkoordinatorin Anton-Krieger-Gasse), Michael Steiner und Klaus Himpsl-Gutermann (ZLI PH Wien); nicht im Bild: Petra Szucsich (ZLI PH Wien). Quelle: Petra Szuscich

Quelle: Petra Szuscich, ZLI der PH Wien

An dieser Stelle möchte ich noch einmal besonders Dankeschön an Michael Steiner vom ZLI aussprechen, der den Besuch ermöglicht und organisiert hat. Des weiteren danke ich Margit Pollek, Petra Szuscich, Winfried Schneider, Klaus Himpsl-Guterman, Alicia Bankhofer und Hedy Wagner für ihre Beteiligung, Gastfreundlichkeit und Unterstützung während des gesamten Besuches. Internationale Zusammenarbeit kann so schön sein.

Zur detaillierten Nachlese der Treffen mit reichlich Fotos empfehle ich den Blogbeitrag des Zentrum für Lerntechnologie und Innovation (ZLI) der PH Wien.

Die Reise nach Österreich ist nun vorbei, was jedoch kein Ende der Zusammenarbeit und der allgemeinen Verbreitung des Flipped / Inverted Classrooms bedeutet. Die gesammelten Impulse und Ideen werden in den kommenden Monaten auf verschiedenste Weisen und mithilfe der vielen neuen Kontakte umgesetzt und wir schauen gespannt, was sich 2016 noch alles ergeben wird.