Videobearbeitung – die optimale Reihenfolge der Arbeitsschritte

Lassen Sie sich nicht einschüchtern. Detaillierte Videobearbeitung kann zwar für Anfänger schwierig erscheinen, aber die beste Methode für einen schnellen Einstieg ist, von den Profis zu lernen. TechSmith hat vor kurzem Barret Baxter, einen erfahrenen Videoproduzenten, eingestellt. Im folgenden Interview gibt Barret, wertvolle Praxistipps zur Videobearbeitung und erklärt die optimale Arbeitsabfolge:

Barret, was kommt nach der Aufnahme des Filmmaterials? Welche Arbeitsfolge hat sich bei der Videobearbeitung bewährt? Womit sollte man anfangen?

„Ich fange immer damit an, mein Filmmaterial in Finder oder Windows Explorer zu organisieren. Das ist ein einfacher, aber sehr wichtiger Schritt. Am Ende spare ich dadurch viel Zeit. Ich speichere Interviews separat von B-Roll Clips und organisiere alle Dateien in Unterordnern je nach Inhalt und Aufnahmeort. Ich gebe allen Dateien Namen, die sich auf Inhalt und Aufnahmeort beziehen. So werde ich mit dem gesamten vorhandenen Filmmaterial vertraut und weiss, womit ich arbeiten kann. Die Story für ein Video wird nach und nach klarer, und ich habe eine solide Basis für die weitere Bearbeitung in meinem Videoeditor.“

Sammeln und Organisieren der vorhandenen Medienclips ist der erste wichtige Schritt der Videobearbeitung.

Alle Medien sind gut organisiert. Was kommt als nächstes?

„Ich ziehe alle benötigten Clips in den Editor. Dann denke ich mir die beste Storyline für dieses Video aus. Ich schaue mir alle Clips an und suche die aus, die am besten zu meiner Story passen. Idealerweise sind das die besten Stellen aus Interviews und die Hauptaufnahmen. Ich ziehe diese ausgewählten Clips auf meine Timeline und gruppiere sie im Hinblick auf die Story, die ich damit aufbauen will. Ein Clip über das Unternehmen. Ein Clip, der die Mitarbeiter zeigt, usw. Ich sortiere auch die Clips aus, die nicht so gut passen.“

Wie sollte man beim Aussortieren vorgehen? Wie findet man in der Menge von Filmmaterial die besten Clips?

„Eine Art Trichtermethode funktioniert am besten. Zuerst sortiere ich Clips aus, die unscharf sind oder nicht direkt zum Thema gehören. Je weiter die Story sich entwickelt, desto kritischer sollte man bewerten, ob ein Clip zum nächsten wirklich gut passt oder doch besser herausgenommen werden sollte. Beim Zusammenstellen der Clips wird es immer klarer, welche Aufnahmen wichtig sind und welche entfernt werden können. Am Ende sollten nur die Medien im Video bleiben, die Ihre Geschichte am besten rüberbringen. Wenn das Filmmaterial am Anfang gut organisiert wurde, ist es kein Problem eventuelle Lücken zu füllen.“

Sichten Sie alle Medien und wählen Sie jene aus, die gut zu Ihrer Story passen.

Welche Tipps sollten beim Zusammenfügung der Clips beachtet werden?

„Fügen Sie Clips und Aufnahmen zusammen, die optisch und vom Audio her gut zusammenpassen. In dieser Phase ist es okay, auch in der Mitte anzufangen. Wenn zwei oder mehr Clips gute Kombinationen sind, platzieren Sie diese Clips hintereinander und schauen Sie sich diese Sequenz in der Vorschau an. Je länger Sie das machen, desto leichter werden Sie Muster erkennen.“

„Haben Sie keine Angst, etwas Neues auszuprobieren. Video kann so oder so funktionieren, es gibt mehr als eine Lösung. Machen Sie Pausen; kommen Sie mit einer neuen Idee oder Perspektive zurück an die Arbeit. Das macht Spass, wenn sich die Story zu entfalten beginnt.“

Ist das Video nach dem Zusammenfügen fertig?

„Nein, noch nicht! Sie müssen sich unbedingt Feedback holen. Viele Leute haben Angst davor, aber wenn dieses Video für andere gedacht ist, ist Feedback ein Arbeitsschritt im Bearbeitungsprozess, der auf keinen Fall ausgelassen werden darf. Ich frage dreimal während der Arbeit an einem Video nach Feedback: Wenn ich meine Story aufgestellt habe, nachdem ich die Story verfeinert und ästhetisch verbessert habe und ein drittes Mal kurz vor der Veröffentlichung.“

Feedback sollte an mehreren Stellen der Videobearbeitung eingeholt werden.

Wie sollte Feedback am besten abgefragt werden?

„Die Story soll Sinn machen. Gehen Sie strategisch vor bei der Auswahl der Leute, die Sie nach Feedback fragen. Fragen Sie ein oder zwei der wichtigsten Entscheidungsträger. Stellen Sie konkrete Fragen, zum Beispiel: Gibt es Elemente, die in der Story fehlen? Gibt es Abschnitte, die keinen Sinn ergeben und entfernt werden sollten? Erzählt das Video die Story so, wie das beabsichtigt war? Konzentrieren Sie sich zuerst auf die Struktur und Aussage des Videos, später erst auf die visuellen Elemente und Verschönerungseffekte. Die Struktur und der Inhalt des Videos sollte am Anfang festgelegt werden. Kurskorrekturen sind zu diesem Zeitpunkt noch einfacher.“

Wie wird Feedback in ein Video integriert? Welches Feedback wird übernommen, welches sollte nicht implementiert werden?

„Ehrlich gesagt, das ist eine echte Kunst. Verschiedene Meinungen und emotionale Bewertungen sind abzuwägen. Flexibilität ist gefragt. Nehmen Sie Kritik nicht persönlich, aber stehen Sie auch zu Ihren kreativen Ideen. Hören Sie auf die Entscheidungsträger. Alle wollen im Endeffekt dasselbe: ein visuell ansprechendes Video, das eine überzeugende Story erzählt.“

„Während ich die Strukturänderungen einbaue, konzentriere ich mich schon mehr auf die ästhetischen Gesichtspunkte des Videos. Ich füge B-Roll Material ein, um Schnittstellen zu überdecken und versuche, das Video flüssiger zu machen und emotional ansprechende Hintergrundmusik zu integrieren. Danach will ich mein Video zeigen. Das ist mein zweiter Kontrollpunkt.“

Was ist in der zweiten Feedback-Phase das Ziel?

„Ich will mein Meisterwerk zeigen! Echte und ehrliche Reaktionen von Zuschauern sind jetzt gefragt. Das Video ist nach meiner Einschätzung zu diesem Zeitpunkt zu 95% fertig. Ich zeige es den bisher beteiligten Entscheidungsträgern, will aber auch neue Kritiker ansprechen. Idealerweise werden dieses Mal nur Kleinigkeiten kritisiert und einfache Verbesserungen vorgeschlagen. Etwa Fragen wie: Stimmt der Titel? Haben wir uns das so vorgestellt? Sind alle Marketingrichtlinien integriert? An diesem Punkt sollten nur noch wenige Korrekturvorschläge kommen und diese sollten einfach einzubauen sein.“

Aufbau und Story des Videos sind an dieser Stelle bereits definiert. Das Feedback sollte sich zu diesem Zeitpunkt mit Details und Einzelheiten befassen.

Okay. Ist das Video nach diesen kleinen Änderungen fertig?

„Noch nicht ganz, aber fast. Wir sollten unser Video noch aufpolieren, harte Übergänge weicher machen, Übergangseffekte einbauen, Farbanpassungen machen, Animationen einfügen und die Audiopegel anpassen. Geben Sie Ihr Bestes und machen Sie ein wirklich tolles Video. Danach geht es in die dritte Feedback-Runde. Ich frage meine Kollegen, wie sie das Video finden. Wenn alles stimmt, exportiere und veröffentliche ich mein Video. Einen wichtigen Arbeitsschritt möchte ich noch erwähnen: Ich schaue mir das fertige Video noch einmal von vorne bis hinten an.”

Entscheiden Sie, wo das Video gezeigt werden soll und bestimmen Sie das optimale Videoformat.

Danke! Das waren ausgezeichnete Tipps!

„Gern geschehen! Wer es bis hierher geschafft hat, sollte uns Fragen und Kommentare schicken. Wir freuen uns auf Ihr Feedback zu diesem Artikel!“