Was Sie über Bildformate wissen sollten

mikekFolgender Blogpost wurde von TechSmith’s ehemaligem Video-Editor Mike Gruszynski geschrieben und erschien ursprünglich auf dem englischsprachigen TechSmith Blog

Da ist er nun, der perfekte Screenshot. Sie haben ihn gekonnt bearbeitet und jetzt wollen Sie ihn veröffentlichen. Welche Dateiformate brauchen Sie? Als Video-Editor habe ich täglich mit Grafik-, Bild- und Videodateien zu tun und kann Ihnen sagen, welches Format in einer bestimmten Situation am vorteilhaftesten ist. Ich werde Ihnen die Unterschiede erklären, gängige Formate vorstellen und ein paar Fachbegriffe erläutern, z. B. was Vektor- bzw. Rasterbilder sind und wie sich digitaler Zoom vom optischen Zoom unterscheidet.

Verbreitete Bilddateiformate

Nach der Bearbeitung im Snagit Editor haben Sie beim Speichern eine große Auswahl an Formaten, u. a. PNG, JPEG, TIFF, GIF oder PDF. Andere Bildeditorprogramme (wie beispielsweise Adobe Photoshop) bieten zusätzliche Formate wie PSD, PSB, BMP, EPS, RAW – um nur einige zu nennen. Alle unterscheiden sich im Grunde in zwei wesentlichen Punkten: Komprimierung und Kompatibilität.

fileformatstable

Verlustreiche oder verlustfreie Komprimierung

Alle der oben genannten Dateitypen sind entweder verlustreich oder verlustfrei. Verlustreiche Formate können nicht die Qualität des Originalbildes liefern, haben aber vorteilhaft kleine Dateigrößen. Verlustfreie Formate speichern pixelgenau in der Originalqualität, aber dafür werden die Dateien sehr viel größer. Im Internet werden Sie beide Komprimierungsarten und beide Dateitypen finden. Die beliebtesten verlustfreien Formate sind TIFF und PNG.

Meine Empfehlung: Bearbeiten und speichern Sie Ihre Fotos immer zuerst in einem verlustfreien Format. Wenn Sie die Bilder später im Internet veröffentlichen wollen, können Sie ein gängiges verlustreiches Format wie JPEG benutzen. Bei JPEG können Sie bestimmen, wie stark komprimiert wird und so die Dateigröße und die Qualität für Ihre Zwecke optimieren.

Vektor- oder Bitmap- bzw. Raster-Bilder

Es gibt zwei weitere Begriffe, die im Zusammenhang mit Dateiformaten wichtig sind: Vektorbilder und Rasterbilder. Vektorbilder beruhen auf mathematischen Formeln, Rasterbilder bestehen aus einer bestimmten Pixelanzahl. Das bedeutet, dass Rasterbilder nicht ohne Qualitätsverlust auf über 100% skaliert werden können. Vektorbilder benutzen keine Pixel und sind darum unabhängig von den gewählten Abmessungen. Wenn Sie schon mit Camtasia oder Snagit gearbeitet haben, dann kennen Sie vielleicht schon die vektorbasierten Callouts. Diese können ohne Qualitätsverluste in der Größe verändert werden. Beliebte vektorbasierte Bildformate sind EPS, AI, PDF und SVG. Und hier sehen Sie den Unterschied:

Orc_-_Raster_vs_Vector_comparison[1]

Proprietäre Formate

Urheberrechtlich geschützte (proprietäre) Formate wurden von einem Unternehmen, einer Organisation oder einer Einzelperson entwickelt. Diese Formate unterliegen oft Nutzungseinschränkungen und Lizenzbestimmungen, bieten aber oft zusätzliche Funktionen. Im Gegensatz dazu gibt es aber auch sogenannte „offene Formate“, die jeder benutzen darf.

Das PSD-Format von Adobe Photoshop und das SNAG-Format von TechSmith sind Beispiele für firmeneigene Formate. Solche Formate sollten Sie dann zum Speichern benutzen, wenn Sie ein Bild nach dem Speichern im gleichen Programm noch weiter bearbeiten wollen. Speichern im firmeneigenen oder softwarespezifischen Format speichert auch alle Original-Ebenen und andere Bildinformationen und konfigurierbare Bildeigenschaften. Proprietäre Formate liefern größere Dateien, zeigen aber im Vergleich mit dem Original keine Qualitätsverluste. Diese Dateiformate sind aber nicht kompatibel mit Webdiensten, anderen Programmen oder Editoren von Drittparteien.

Alpha-Kanal

In meiner Rolle als Videoproduzent und Motion-Grafikdesigner habe ich mit vielen verschiedenen Bildformaten zu tun. Alle farbigen Bilder enthalten bestimmte Werte für Rot, Grün und Blau. Das sind die Farbkanäle aus denen das gesamte Farbspektrum zusammengesetzt ist. Einige besondere Formate liefern aber zusätzlich noch eine weitere Informationsebene, eine transparente Ebene oder einen „Alpha-Kanal“, der in die Datei integriert ist. Unten sehen Sie ein Beispiel zur Illustration. Das Schachbrettmuster symbolisiert den transparenten Hintergrund. Der Hauptvorteil ist, dass Sie so ein Bild auf ein anderes legen können, ohne dass rundherum ein „weißer Kasten“ zu sehen ist. Das beliebteste Bildformat mit integriertem Alpha-Kanal ist das PNG-Format.

alpha-channel-01[1]

Typische Bildgrößen im Internet

Wenn Bilder im Internet veröffentlicht werden sollen, spielt die Dateigröße eine wichtige Rolle. Die meisten Foto-Sites akzeptieren eine höhere Auflösung und konvertieren Bilder automatisch in ein Format, das auf der jeweiligen Plattform gut funktioniert. Wenn Sie lange Ladezeiten vermeiden möchten – beispielsweise auf Ihrer eigenen Website – dann müssen Sie eine guten Kompromiss zwischen Dateigröße (MB, KB) und Pixelabmessungen finden. Wenn die Bilddatei zu groß ist, dauert es länger bis sie geladen ist und manche Besucher der Website verlieren dann schnell die Geduld. Suchmaschinen wie Google bewerten Websites mit langen Ladezeiten ebenfalls negativ.

Es empfiehlt sich also, Bilder im JPG- oder GIF-Format abzuspeichern und den optimalen Kompromiss zwischen Dateigröße und Qualität zu finden. Zusätzlich sollten Bilder in der Abmessung abgespeichert werden, mit der sie auch auf der Webseite angezeigt werden soll.

Optischer Zoom oder digitaler Zoom

Wenn eine Kamera eine Linse verwendet, um Objekte näher ins Bild zu bringen, spricht man von „optischem Zoom“. Im Gegensatz dazu bedeutet „digitaler Zoom“, dass ein Foto skaliert wird. Beim Skalieren wird ein Teil des Bildes vergrößert und so eigentlich ein „optischer Zoom“ vorgetäuscht. Aus diesem Grund sollten Sie bei Aufnahmen mit einer Kamera lieber die Kamera (die ja eine feste Linse hat) vor- und zurückbewegen, um den Frame gut auszufüllen. „Optischer Zoom“ liefert immer bessere Ergebnisse. Verwenden Sie auf Ihrem Handy deshalb lieber nicht die Zoomfunktion, wenn Sie wirklich klare und scharfe Fotos haben wollen.

Ich hoffe diese Erläuterungen waren hilfreich und Sie können mit diesem Grundwissen bessere Bilder für Ihre Projekte produzieren.

Posted in Tipps & Tricks
Author
Anton Bollen

Als Technology Evangelist ist er für TechSmith in Europa unterwegs. Bei Twitter ist er unter @antonbollen zu finden.
Zu seinen Vorlieben gehören Rubik's Würfel, Bier Brauen und der FC St Pauli.